Aus der Geschichte der Musikkapelle Illerbeuren-Kronburg

1811 – 1911

Ganz neue Erkenntnisse über das Alter der Musikapelle ergaben sich bei der Vorbereitung für die vermeintliche 160 Jahrfeier (Festtage 6. bis 9. Juni 1991), verbunden mit dem 34. Bezirksmusikfest im ASM Bezirk 6 Memmingen. Bisher war man davon ausgegangen, dass etwa im Jahre 1830 die Musikkapelle aus dem Orchester, das unter Lehrer Anton Hohl den Kirchenchor verstärkte, hervorgegangen war und hatte so auch im Jahre 1960 das 130jährigen Bestehen der Kapelle gefeiert. Herr Blüml, der vor einigen Jahren ein heimatkundliches Werk über Kronburg “Herrschaft und Gemeinde” verfasst hat, fand nun in den Rechnungslegungen der Pfarrei Illerbeuren den Nachweis über Ausgaben für die Musikanten aus dem Jahre 1811. Da steht unter anderem: “den Musikanten am Fronleichnamsfeste 2 Gulden bezahlt” und “den Musikanten am Skapulierfest 2 Gulden bezahlt”.

Lehrer Anton Hohl schrieb eine sehr ausführliche Monographie über Kronburg, die er im Jahre 1862 abschloss. Pfarrer Haid, Ortsgeistlicher in Illerbeuren, schrieb dieses Werk ab und setzte es fort, bis er 1879 v on Illerbeuren, wegzog. Während sich bei Anton Hohl nichts über die Musikkapelle findet, erwähnte Pfarrer Haid dieses ein paar Mal, wenn auch nicht immer mit Begeisterung. Bei ihm finden sich folgende Einträge: „26. Juli 1872, die Musikanten kaufen aus freiwilligen Beiträgen einen neuen Bombardon um 70 Gulden“

1873: „den 23. Juni 1873, machte die hiesige Blechmusik nach Babenhausen auf einem Leiterwagen“

1875, (aus Anlass der Beerdigung von Maximilian von Vequel-Westernach) „vor dem Leichenwagen Blechmusik und Sänger und Sängerinnen“

Aus dem Jahre 1876 stammt die alte Fahne der Kapelle. Sie zeigt auf der Vorderseite eine blaue Fläche auf naturfarbenem Grund, in der mit goldenen Buchstaben die Aufschrift eingestickt ist. Auf die blaugrundige Rückseite ist in einem naturfarbenen Feld eine in goldfarben gestickte Lyra aufgesetzt, die von einem offenen Eichlaubkranz umgeben ist. Pfarrer Haid erwähnte in seinen Aufzeichnungen weder die Fahne noch einen Fahnenweihe, obwohl er ein paar Seiten vorher Fahnenweihe und Fest der Veteranen von 1872 ausführlich schildert. Der Grund dafür mag darin liegen, dass er der „ Blasmusik“ nicht sonderlich gewogen war, was aus einem Eintrag über die Fastenpredigt in Kronburg deutlich wird: „… Hierbei kann ich auch nach langjähriger Erfahrung die Bemerkung nicht unterlassen, dass der moralische Nutzen dieser Nachmittagspredigten … nicht hoch anzuschlagen ist, da junge Leute beiderlei Geschlechts von auswärtigen Pfarreien, bes. am Joseph- und Maria-Verkündigungsfeste nicht gerade im Bußgeist sich betrugen; auch im Wirtshaus merkte man nichts weniger als den Geist der hl. Fastenzeit. Zudem herrschte die nicht lobenswerte Gewohnheit, dass die Blechmusik jedes Mal nach der Nachmittagsandacht im Wirtshause, wenn auch in einem eigenen Zimmer, unter der „Firma“ (dem Namen) Proben halten, spielte.“

An anderer Stelle finden wir aber ein – wenn auch eingeschränktes – Lob des Pfarrers für die Musiker. In der Kirchenmusik gab es damals grundlegende Änderungen: alles Laute, Geräuschvolle sollte aus der Kirche entfernt werden, der Volksgesang bekam einen hohen Stellenwert. 1875 äußert sich der Pfarrer: „Die Musikanten, die hier besonders instrumental – besonders Blechmusik – sehr gut geschult sind, können nur mit aller Klugheit und Schonung nach und nach von ihrer Abneigung gegen echte Kirchenmusik des Cäcilienvereins geheilt werden.“

Wie sehr „Blasmusik“ und Kirchenmusik aber miteinander verbunden gewesen sein mögen, zeigt ein anderes Dokument von 1865, eine Aufzeichnung der in der Kirche gegen Brand versicherten Gegenständen, in dem auch die Instrumente aufgelistet sind: „Auf dem Kirchenchor: 2 Violinen, 1 Viola, 1 Violoncello, 1 Flöte, 2 alte Es-Hörner mit Bögen, 2 alte Fazetten, 2 alte F-Trompeten, 1 Posaune mit Druckt., 2 Pauken, 2 gute Hörner vom Jahr 1872, 2 B-Trompeten mit 3 Bögen gek. 1863“.

1880. Zum Namensfest des Königs und zugleich zur 700-Jahrfeier der Wittelsbacher findet im kirchlichen und politischen Rahmen in Illerbeuren eine große Feier mit Ansprache statt. Hierbei ist erwähnt, dass die aufgestellten Schulkinder beim Festzug mit Blasmusik der Veteranen abgeholt wurden.

Dirigenten vor der Zeit von Anton Hohl, der von 1825 bis 1857 Lehrer an der Volksschule Illerbeuren war und auch während dieser zeit die Kapelle geleitet haben soll, sind nicht bekannt. Alte Notenbücher lassen darauf schließen, dass nach Anton Hohl Franz Josef Einsiedler aus Illerbeuren die Musikkapelle weiterführte. Danach ist Johann Georg Waldmann aus Greuth als Dirigent erwähnt und ihm folgte Leonhard Kirchmann aus Kronburg. Dieser war drei Jahre Militärmusiker beim königlich-bayerischen 2. Schweren Reiterregiment in Landshut. Er leitete die Kapelle bis 1921.

 
1911 bis 1943

Die Erschütterungen, die in erster Hälfte des letzten Jahrhunderts Europa und die Welt bewegten, wirkten sich im Kleinen auch auf unsere Musikkapelle aus.

Im Jahre 1911 feierte die Kapelle die Weihe einer neuen Fahne. Diese Fahne wird heute noch getragen. Sie zeigt das Bild des königlichen Sängers David, das Wappen der Freiherren von Vequel-Westernach und auf der anderen Seite eine goldbestickte Lyra im blauen Feld. Nach der Fahnenweihe von 1911 fehlen – über die Zeit des ersten Weltkrieges hinweg – Angaben.

Aus dem Jahr 1926 gibt es eine Aufnahme von den damals 12 Musikern mit ihrem Dirigenten Theodor Fürgut, der die Kapelle bis zu seinem Tod im Jahre 1943 leitete. Ebenfalls aus der Zeit sind noch handgeschriebene Notenbücher für eine komplette Besetzung mit neun Stimmen vorhanden.

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1928 waren es schon 20 Musiker, und die Weihnachtsfeier der Kapelle, von der das Memminger Volksblatt berichtet, war ein voller Erfolg.

„Illerbeuren 2. Januar. Auf eine in all ihrem Teilen wohl gelungene Christbaumfeier kann der hiesige Musikverein zurückblicken. Der musikfrohe Dirigent, Herr Schneidermeister Theodor Fürgut trug durch seinen guten Geschmack verratendes Programm feierlich-freudige Weihnachtsstimmung in den dicht besetzten gar sinnig dekorierten Saal des Haasschen Gasthauses. . . Die vor wenigen Monaten beschafften prächtigen Instrumente der 20 Mann starken Kapelle überraschten in ihrer runden und weichen Tongebung ….“

Von einer Feier ganz anderen Art berichtet der Chronist und spätere Schulrat Jehle. Wie fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens wurde auch die Musikkapelle in die „Brauchtumspflege“ der Nationalsozialisten einbezogen, die meist aber Imagepflege für die Partei Adolf Hitlers war. Die Feier zum ersten Mai 1935 lief (in verkürzter Wiedergabe) etwa so ab:

„Dienstag 30. April von 6 bis 7 Uhr nach Bedarf Unterhaltungsmusik (Musikkapelle Fürgut) um 7 Uhr Eröffnungsmarsch…. Deutschlandlied gemeinsam gesungen mit Begleitung der Blasmusik, nach Beendigung der Kundgebung (!) Abmarsch der Musik Mittwoch 1. Mai Kirchgang Zufolge: Schuljugend, Hitlerjugend, Musik, … (Vereinsfahnen werden nicht mitgeführt) …”

Was aus der Bewegung wurde, lässt sich, wenn auch viel nüchterner, aus einem ab 1935 geführten Einnahmenbuch der Kapelle ablesen, in dem von Hermann Weiß über alle Auftritte Buch geführt wurden. Hier nur ein Überblick über die Zahl der Auftritte von einigen Jahren.

1939: 19 Auftritte (sechs Hochzeiten, zwei Beerdigungen, zweimal Fastnacht, Filmabend, Versammlung, Heldengedenktag, Kriegerjahrtag, Fackelzug, Maitanz, Muttertag, Fronleichnam in Kronburg und Illerbeuren, Christbaumfeier. 1940: 11 Auftritte; 1941: 3 Auftritte; 1943: ein Heldengottesdienst; 1942/44/45: keine Auftritte, 1946: 11; 1947: 17; 1948: 18, 1949: 28 Auftritte!

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Über 20 Jahre lang war Theodor Fürgut Leiter der Musikkapelle gewesen. Als er 1943 starb, mussten Musiker aus Lautrach und Maria Steinbach aushelfen, damit es möglich war, ihm das letzte Geleit zu geben.

 
1946 bis 1965

Nach den Kriegsjahren baute Ludwig Kirchmann aus Kronburg die Kapelle wieder auf und seiner Initiative und dem Eifer seiner Kameraden war es zu verdanken, dass sie am 20. Mai 1946 anlässlich einer Hochzeit erstmals wieder auftreten konnten.

Mitglieder der Musikkapelle, die die Phase des Neubeginns nach dem Krieg miterlebt haben, erinnern sich gern daran und erzählen, mit welch einfachen Mitteln (im Vergleich zu heute) damals gearbeitet wurde. Proben fanden in dieser Zeit meist noch in der Wohnung des Musikmeisters statt. Ein alter Musiker – er lebt längst nicht mehr – erinnerte sich, dass er jedes Mal, wenn er es wagte, während der Probe zu einer der Töchter des Musikmeisters zu schauen, von seinem Vater, der auch bei der Musik war, eine „Mordstrumm Schellen“ einfing. Zum Probenbesuch lief man (auch von Illerbeuren oder Binnwang) nach Kronburg zu Fuß, oder man fuhr mit dem Fahrrad, im Winter auch mit den Skiern. Kronburger denken noch gern daran zurück, wie einmal vor einer Hochzeit auf der damals noch ungeteerten Weiherstrasse die Jungmusiker unter der Anleitung des Musikmeisters das Marschieren einüben mussten und das ganze Dorf zuschaute.
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Der anstrengendste Tag im Jahr des Musikmeisters war immer der Fronleichnamstag. Beim Weckruf musste er oft feststellen, dass Stimmen zu den Liedern des Fronleichnamsfestes fehlten. So verbrachte er die Zeit zwischen Weckruf und Prozession im hektischen Nachschreiben von fehlenden Notenblättern.
Der Höhepunkt in der Ära Ludwig Kirchmann aber war die Ausrichtung des Bezirksmusikfestes 1960, wobei gleichzeitig – nach damaligen Erkenntnissen – das 130-jährige Bestehen der Kapelle gefeiert wurde. 15 Kapellen bestritten die Wertungsspiele, die am Sonntag, dem 3. Juli früh um 6:00 Uhr begannen. Um 10:00 Uhr fand ein Feldgottesdienst statt. Nach dem Festzug vereinigten sich die anwesenden Kapellen zu einem Massenchor.
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Ein weiteres großes Ereignis aus dieser Zeit war 1958 die Anschaffung einer einheitlichen Tracht, die man allerdings mehr als Uniform bezeichnen konnte. Ein dunkelbrauner Janker, auf dem linken Ärmel das Wappen der Vequel-Westernach, wurde über einer roten Weste getragen. Dazu eine lange, braune Hose und ein einfacher breitrandiger schwarzer Hut. Mitte der 60er Jahre wurde die Hose gegen eine braune Bundlederhose mit roten Bundhosenstrümpfen ausgewechselt. Kurz darauf schafften sich die damaligen Mitglieder dann aber weiße Strümpfe an und im gleichen Zug einen neuen Trachtenhut, der mit einer goldenen Kordel und einer weißen Feder geschmückt war. Diese Kombination wurde dann bis 1975 getragen.

Musikkapelle, die er nun 20 Jahre innegehabt hatte, an Ludwig Mendler aus Oberbinnwang ab. Eine schwierige und mühevolle Wiederherstellung eines intakten Klangkörpers war nun abgeschlossen. Bei der Verabschiedung des Dirigenten Ludwig Kirchmann dankte ihm der damalige Kassier Albert Gregg sen. im Namen seiner Musikkameraden für seine geleistete Arbeit und erwähnt dabei, dass er immer wie ein Vater gewirkt habe, dass aber seine Kinder nicht immer nach Wunsch Folge geleistet hätten.

 
1965 bis 1983

Mit dem Dirigentenwechsel 1965 trat die Musikkapelle wieder in eine neue Phase ein, die einige Veränderungen in das Ensemble brachte: Ludwig Mendler verdoppelte die Zahl der Bläser und baute das Holzblasregister und ein kombiniertes Schlagzeug in den Klangkörper ein.

Wenn es Ende der 40er Jahre noch möglich war, Proben u. Musikausbildung in Privaträumen durchzuführen, so zwang jetzt die stets wachsende Zahl der Musiker zu anderen Lösungen. Die Musikproben wurden bis Ende der 50er Jahre in den Gastwirtsstuben abgehalten, danach standen Schulräume in Illerbeuren und Kronburg zur Verfügung. Einige Jahre lang gab es sogar einen eigenen Probenraum im Gemeindeamt in Illerbeuren (ehemalige Poststelle, heute Gemeindeverwaltung).
In den 60er Jahren stieg dann auch die Zahl der Auftritte wesentlich an. Da die Organisation der damals ca. 50 Proben und ca. 50 Auftritte vom Dirigenten allein nicht mehr bewältigt werden konnten, wurde eine Vorstandschaft gegründet. Dirigent Ludwig Mendler, stellvertretender Dirigent Rudolf Kramer und Kassier Albert Gregg gehörten dieser Kraft ihres Amtes an. Hermann Weiß sen., Alois Rottmar und Otto Greif wurden als Beisitzer dazu gewählt. Zum Schriftführer und Notenwart wurde Hans Schöllhorn bestimmt. Erst ab diesem Zeitpunkt wurden dann auch regelmäßig Aufschreibungen über die Aktivitäten der Musikkapelle gemacht. 1971 wurde erstmals ein offizieller Vorstand gewählt. Die Wahl fiel auf Otto Greif, der dieses Ehrenamt bis 1983 ausführte.
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Vom 23. bis zum 26. Juli 1971 veranstaltete die Kapelle aus Anlass ihres damals nach 140-jährigen Bestehens ein Musikerkameradschaftstreffen in Illerbeuren. Hierzu wurde dem Verein auch die Pro-Musica-Plakette überreicht. Grund genug für ein dreitägiges Fest mit Festabend, Festgottesdienst und einem prächtigen, historischen Festumzug. Ein weiteres Kameradschaftstreffen fand 1980 in einem kleineren Rahmen statt. Bei diesen Feierlichkeiten wurde der Kapelle vom ASM die silberne Medaille am weiß-blauen Band verliehen. 1967 nahm die Musikkapelle beim Bundesmusikfest in Memmingen an den Wertungsspielen in der Unterstufe teil und erspielte sich einen 1. Rang mit Auszeichnung, bei einem weiteren Wertungsspiel 1968 in Legau, in der Mittelstufe ebenfalls einen 1. Rang mit Auszeichnung.
Großzügige Spenden der Bevölkerung ermöglichten 1975 die Anschaffung einer neuen Tracht mit weißen Strümpfen, schwarzer Stoffbundhose, roter Weste und einem Allgäuer Janker in gedämpften Blauton. Auf dem linken Ärmel war das Wappen der Gemeinde Kronburg aufgenäht, so konnten sich die Musiker dann dem Publikum präsentieren. Hierzu wurde ein leichter Trachtenhut mit einer silbernen Kordel getragen.
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Musikalische Höhepunkte im Jahreskreis, unter der Leitung von Ludwig Mendler, waren der Musikerball und das Weihnachtskonzert. Auch wurde bis Ende der 70er Jahre der Tag der Blasmusik gefeiert. Hierzu umrahmten die Musiker den sonntäglichen Hauptgottesdienst und gaben anschließend im Dorfgasthof einen musikalischen Frühschoppen. Dass hierbei der Tag der Blasmusik auch manchmal zur Nacht der Blasmusik geworden ist, konnte man keinem Musiker verübeln, denn es war ja schließlich ihr Tag.

1983 trat Ludwig Mendler von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Dirigent zurück. In fast 20-jähriger Leitung der Kapelle ist er seiner Verantwortung als Dirigent gerecht geworden, und war somit maßgeblich an der positiven Entwicklung des Klangkörpers beteiligt.

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1983 bis 2003

Diese 20 Jahre der Geschichte unserer Musikkapelle unter der Leitung von Anton Musch sind – bei aller Verpflichtung gegenüber dem, was wir aus der Tradition und der Aufbauarbeit der vergangenen Jahrzehnte übernommen haben – mehr denn je von Veränderungen in fast allen Bereichen unseres Musiklebens gekennzeichnet. Die Zahl der Musiker wuchs im Laufe dieser Jahre bis auf 60 aktive Mitglieder an. Es kamen auch neue Register dazu, 1987 die Querflöte, 1989 das Saxophon, dann die Erweiterung des Schlagwerks durch Xylophon und Pauken. 1986 fanden außerdem erstmals Musikerinnen Aufnahme in die Kapelle, eine recht beachtliche Neuerung nach (vielleicht) 175 Jahren des Bestehens.

Die große Zahl junger Nachwuchsbläser zwangen die Verantwortlichen, Verän­derungen in der Ausbildung vorzunehmen. Die Ausbildung erfolgt jetzt nach Registern getrennt und wird nur noch von geschulten Kräften durchgeführt. Zum Erlernen des Zusammenspiels wurde 1995 die Jugendkapelle Illerbeuren-Kronburg gegründet. Peter Gayer aus Illerbeuren war bis 1997 Dirigent. 1998 wurden die Jungmusiker aus Lautrach mit integriert und die musikalische Leitung übernahm Angelika Geiger, Illerbeuren. Höhepunkt in dieser Zeit war die Teilnahme an einem Wettbewerb für Jugendblasorchester in Friedberg. Im Jahr 2000 wurde der Taktstock an Birgit Wilhelm, Wagsberg übergeben.

Die Zahl der Auftritte ist auf jährlich ca. 60 angestiegen. Die Kapelle spielte inzwischen auch Veranstaltungen an weiter entfernten Orten. So reisten die Musiker 1986 aus Anlass des silbernen Priesterjubiläums von Pater Benedikt Laib – damals Pfarrer von Illerbeuren – mit Bürgern der Pfarrgemeinde, welche die Musikkapelle begleiteten, nach Rom. Höhepunkte für die Bläser waren ein Ständchen für den Papst vor ca. 50.000 Menschen auf dem Petersplatz und die persönliche Begrüßung durch seine Heiligkeit. Dabei sprach Johannes Paul II. die Kapelle mit folgenden Worten an: „Ebenso begrüße ich die Musikkapelle der Pfarrei Illerbeuren zu ihrer Rom-Wallfahrt anlässlich des silbernen Priesterjubiläums ihres Pfarrers. Bleibt eifrig im Dienste der Kirchenmusik und lasst in eurem Musizieren auch euer Leben mitklingen und zu einem würdigen Lobpreis Gottes werden. Von Herzen erteile ich euch allen Pilgern deutscher Sprache meinen apostolischen Segen.“

Ebenfalls ein großes Erlebnis war der Festgottesdienst von Pater Benedikt in der Basilika St. Paul, den die Musikkapelle mit der Schubertmesse umrahmte. Schöne Erinnerungen hat die Kapelle auch an mehrere Besuche in Stuttgart Giebel, der ehemaligen Pfarrstelle von Pater Benedikt. 1988 führte eine Einladung die Musikkapelle nach Oldenburg-Ofenerdiek und eine weitere 1993 nach Wolfsburg, bei beiden Auftritten war sie die Hauptattraktion beim Schützenfest.

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Am 11. April 1990 gründeten die Mitglieder der Musikkapelle einen Verein und ließen sich ins Vereinsregister eintragen. Eine Satzung wurde erstellt und eine vorschriftsmäßige, komplette Vorstandschaft gewählt. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis hervor: Vorsitzender: Donat Gromer; Stellvertreter: Werner Rottmar; Schriftführer: Engelbert Gretz; Stellvertreter: Eveline Fischer; Kassier: Benedikt Wilhelm; Stellvertreter: Georg Trunzer; Beisitzer: Walter Greif; Jugendvertreter: Josef Geiger. Donat Gromer ist seit Januar 1983 Vorstand der Musikkapelle. Mit der Vereinsgründung änderte sich nur sein satzungsmäßiger Titel. Wie schon immer ist er unermüdlich für seine Musikkapelle tätig, ist jederzeit erreichbar und kümmert sich bis ins letzte Detail um seine Musiker.

Von 6. bis 9. Juni 1991 feierte die Musikkapelle ihr 180-jähriges Bestehen, dazu wurde ihr die Ausrichtung des 34. Bezirksmusikfests im ASM-Bezirk 6 Memmingen übertragen. Um sich bei diesen Feierlichkeiten von der besten Seite präsentieren zu können schaffte sich der Verein im Herbst 1990 eine neue Tracht an.

Große Probleme bereitete es der Musikkapelle, für die gestiegene Zahl der aktiven Musiker den richtigen Proberaum zu finden. 1988 wurde der damalige Proberaum der Musikkapelle im Gemeindeamt in Illerbeuren einer neuen Poststelle zur Verfügung gestellt und die Musikkapelle zum Proben in die Aula der Kronburger Schule umquartiert. Wegen schlechter Akustik und Platzmangel zog die Kapelle 1992 in den Mehrzweckraum des Schützen- und Feuerwehrhauses um. Da auch der Mehrzweckraum bald zu klein war und 1997 die Schule in Kronburg aufgelöst wurde, wechselte der Verein zum Proben in ein dort nun leer stehendes Klassenzimmer. Nachdem auch der lange gehegte Plan für ein eigenes Vereinsheim in Illerbeuren aus finanziellen Gründen aufgegeben wurde, stellte die Gemeinde der Musikkapelle das komplette Schulgebäude in Kronburg zur Verfügung. Im Januar 1998 begann man mit einem zweckmäßigen Umbau. Dabei wurde in 3029 freiwilligen Arbeitsstunden der Musikerinnen und Musiker und bei Übernahme der Materialkosten durch die Gemeinde ein Proberaum mit ca. 100 m² geschaffen. Eine neue Heizungs- und Sanitäranlage, eine Kameradschaftsecke und mehrere Nebenräume erfüllen alle Anforderungen an eine optimale Unterbringung der Musikkapelle. Am 16. Mai 1999 wurde nach einem feierlichen Gottesdienst das neue Musikheim von Pfarrer Anton Rollinger gesegnet und anschließend von Bürgermeister Winfried Prinz seiner neuen Bestimmung übergeben.

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Auch im Bereich der Blasmusik wandelte sich der Publikumsgeschmack. Gab es in den 50er und 60er Jahren eine Vorherrschaft der Tanz- u. Stimmungsmusik, so ging der Trend in den 80er und 90er Jahren – erstaunlicherweise – zu verfeinertem Musikgenuss über. Die Kapelle trägt dem dadurch Rechnung, dass mehr konzertante Musik und moderne Literatur gespielt wird, die aber auch vom Musikalischen her höhere Ansprüche an die Musiker stellt. In der Stimmungs- und Unterhaltungsmusik rückten Marsch, Polka und Walzer immer mehr in den Hintergrund und wurden durch moderne Arrangements aus der Rock- und Popmusik ersetzt. Dies zeigte sich auch darin, dass der früher alljährlich überfüllte Musikerball immer mehr an Zuspruch verlor, bis er schließlich 1987 zum letzten Mal veranstaltet wurde. Interessanterweise stieg in dieser Zeit die Besucherzahl des traditionellen Weihnachtskonzertes so stark an, dass es seit 1995 bis heute an zwei Tagen im Schweighartsaal in Kronburg aufgeführt wird.

Eine große musikalische Herausforderung war auch das von Brunhilde Rausch neu inszenierte Illerbeurer Freilichtspiel „Schwedenkrieg und Hexenwahn“. Der Komponist Dieter Beck schuf dazu die Theatermusik, welche die Musiker live bei jeder Aufführung spielten, und zu den Szenen passende Lieder, die ebenfalls zusammen mit der Musikkapelle einstudiert wurden. Die musikalische Umrahmung der Uraufführung am 8. Juli 1998 und weiteren 16 Aufführungen brachten der Musikkapelle viel Lob und Anerkennung ein.

Ganz neue Erfahrungen machte die Musikkapelle im September 2001 bei der Aufnahme der CD „Blasmusik aus dem Unterallgäu“ im Studio 80 in Bad Wörishofen. Hier verewigte sich die Kapelle mit dem Marsch „Glück Auf“. Im gleichen Jahr nahm die Musikkapelle am Oktoberfestumzug in München teil.

Nach 17-jähriger Pause nahm die Kapelle wieder regelmäßig an Wertungsspielen teil. Der Klangkörper arbeitete sich unter der fachlichen Leitung von Dirigent Anton Musch und großem Engagement der Musiker bis in die Oberstufe vor. Große musikalische Erfolge und beachtliche Bewertungen aus dieser Zeit belegen das stetig gestiegene Niveau.

1985 | Benningen | Mittelstufe | 1. Rang mit Belobigung
1987 | Legau | Mittelstufe | 1. Rang mit Belobigung
1990 | Kimratshofen | Mittelstufe | 1. Rang mit Belobigung
1990 | Memmingerberg | Mittelstufe | 1. Rang mit Belobigung
1992 | Oberopfingen | Mittelstufe | 1. Rang mit Auszeichnung
1994 | Kirchhaslach | Marschmusik | 1. Rang mit Auszeichnung
1995 | Frechenrieden | Mittelstufe | 1. Rang mit Auszeichnung
1995 | Frechenrieden | Marschmusik | 1. Rang mit Belobigung
1997 | Bad Grönenbach | Oberstufe | 1. Rang mit Auszeichnung
2000 | Böhen | Oberstufe | 1. Rang mit Auszeichnung
2002 | Tannheim | Marschmusik | Mit hervorragendem Erfolg

Beim Weihnachtskonzert am 21.12.2002 übergab Anton Musch die musikalische Leitung der Musikkapelle an seinen Sohn Markus Musch. Am gleichen Tag erhielt Anton Musch unter großem Beifall auch seine Ernennung zum Ehrendirigenten. In einer Zeit, in der sich die Ansprüche an die Leistungen der Musikkapellen beachtlich steigerten, hatte er viele junge Menschen zur Musik geführt und viele Menschen mit Musik erfreut.

 
2003 bis 2010

Von seinem Vater Anton Musch erhielt Markus Musch am 21.12.2002 den Dirigentenstab unserer Kapelle, einer Musikkapelle, die auf hohem Niveau spielt. Für seine Aufgabe hatte er sich durch die Prüfung zum Dirigenten (ASM) und frühere Prüfungen qualifiziert. An der Musikakademie in Marktoberdorf weiter ausgebildet, wurde er 2007 dann staatlich geprüfter Dirigent.

Die Anzahl der Musikerinnen und Musiker in der Kapelle blieb in den letzten Jahren etwa gleich. Auffällig ist jedoch eine höhere Fluktuation. Ein Studium bringt oft einen Ortswechsel mit sich und für junge Frauen sind die Familiengründung und ein zeitaufwendiges Musizieren nicht immer ohne weiteres vereinbar.

Bei den Registern kamen Oboe, Bariton­saxophon und Bassklarinette, bei den Instru­menten auch Glockenspiel und der große Gong TomTom dazu.

Immer mehr Kinder wollen ein Blasinstrument erlernen. Der Einstieg in die Stammkapelle setzt aber ein hohes Ausbildungsniveau voraus. Die gleiche Entwicklung zeigte sich in allen in der Verwaltungsgemeinschaft zusammengefassten Gemeinden. Eine gemeinsame Jugendausbildung der Musikkapellen Legau, Maria Steinbach, Lautrach und Illerbeuren-Kronburg lag deshalb nahe und wurde von den Verantwortlichen in die Wege geleitet. Hauptamtliche Jugendausbilder nahmen ihre Tätigkeit auf und am 7. März 2004 gründete man – als Krönung der gemeinsamen Arbeit – die Jugendkapelle Illerwinkel e.V. (JKI). Unsere eigene Jugendkapelle wurde in die JKI integriert. Birgit Wilhelm, die damalige Dirigentin unserer Jugend, übergab diese an Johannes Möller, der die JKI leitete. Derzeit werden 176 Kinder und Jugendliche ausgebildet, davon kommen 47 aus dem Bereich der Stammkapelle Illerbeuren-Kronburg.

Die Musikkapelle Illerbeuren–Kronburg umfasst inzwischen 14 Register. Trotz ständig steigender Anforderungen bei der Bewertung von Leistungen konnte sie sich in der Oberstufe gut behaupten.

Melodien aus Musicals und aus Filmmusiken und anspruchsvolle Orchesterstücke wie zum Beispiel die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ erweitern das Repertoire. Die Stimmungsmusik greift andrerseits auf alte Traditionen zurück. Das Jugendliche Publikum in Dirndl und Lederhose verlangt wieder Märsche und Polkas wie einst ihre Großeltern. Mit viel Erfolg präsentieren die neuen Stars in der Sängerszene Sylvia Fischer, Annika Enderle und Erich Mendler aktuelle Schlager aus der Welt der Hits.

In guter Erinnerung bleiben viele Veranstaltungen und erfolgreiche Auftritte der letzten Jahre. Nur einige Beispiele: Anlässlich des 250-jährigen Bestehens unserer Partnergemeinde Vertestolna reisten wir im Juni 2005 für vier Tage nach Ungarn. Reinfried Rimmel aus Hackenbach feierte am 1. Juli 2007 als Primiziant seinen ersten feierlichen Gottesdienst in seiner Heimatgemeinde in Kronburg. Den feierlichen Empfang, den Kirchenzug und das Hochamt im Freien gestalteten wir mit. 2008 spielten wir beim 48. Bezirksmusikfest in Maria Steinbach zum Festausklang, 2009 beim 49. in Wolfertschwenden nach dem Festumzug.

Im August 2007 hatte die Musikkapelle die traurige Pflicht, ihrem langjährigen Vorstand Otto Greif die letzte Ehre zu erweisen. Otto Greif war der erste Vorstand in der Geschichte der Musikkapelle und leitete die organisatorischen Angelegenheiten von 1971 bis 1983. (Zuvor waren die Dirigenten für die Musik und auch für alles, was zu organisieren war, zuständig)

Markus Musch führte die regelmäßige Teilnahme an Wertungsspielen weiter und die Kapelle erreichte folgende Wertungen:

2004 | Markt Erkheim | Oberstufe | Mit sehr gutem Erfolg
2007 | Sontheim | Oberstufe | Mit sehr gutem Erfolg
2008 | Maria Steinbach | Oberstufe | Mit ausgezeichnetem Erfolg
2009 | Wolfertschwenden | Oberstufe |Mit sehr gutem Erfolg

Mit dem musikalischen Sachverstand und dem großen Engagement des jungen Dirigenten und seiner Musikerinnen und Musiker wird die Blasmusik in der Gemeinde Kronburg zur Freude der Musizierenden und zur Begeisterung des Publikums erfolgreich weitergeführt werden und auf lange Sicht vielleicht noch einmal 199 Jahre währen.

Finanzen:
In früheren Jahren wurden die Ausgaben des Vereins in erster Linie mit Spen­den, Zuschüssen, dem Eintrittsgeld vom Musikerball und dem Weihnachtskon­zert und einigen Gagen von Auftritten abgedeckt. Da der Unterhalt des Klang­körpers durch dessen Erweiterung und der ständig steigenden Preise von Repa­raturen und neuen Instrumenten von diesen Einnahmen allein nicht mehr finan­ziert werden kann, veranstalten die Musiker in eigener Regie seit 1983 jährlich ein Sommerfest (später Frühlingsfest), das für die Einnahmenseite im Kassen­buch von großer Bedeutung ist.

Bemerkung:
Die Feierlichkeiten anlässlich der 200-jährigen Tradition der Musikkapelle Illerbeuren-Kronburg (älteste Erwähnung 1811) wurden in Absprachen und Genehmigung mit der Vorstandschaft des ASM-Bezirk VI Memmingen um ein Jahr vor verlegt. Begründung: Im Jahr 2010 gab es
keinen Bewerber für das Bezirksmusikfest.
Im Jahr 2011 waren es zwei Bewerber. Musikkapelle Illerbeuren-Kronburg 200 Jahre und Musikkapelle Klosterbeuren 100 Jahre.

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